Alljährlich findet im September eine Anpassung der verschiedenen LBE-Schemen statt. Zum einen werden – wie bei den Zuchtwerten auch – die Berechnungen der Masse und Noten den Entwicklungen der Rasse angepasst. Andererseits finden Sitzungen mit den Rassenkommissionen, respektive der Schemakommission RH/HO statt, um eventuell leicht veränderten Zuchtzielen oder Herausforderungen der Rassen noch besser gerecht zu werden.

Der Durchschnitt von G-79 für alle Erstlaktierenden in der Schweiz bleibt jedes Jahr gleich. In der Berechnung der Noten wird der Zuchtfortschritt so korrigiert, dass auch in Zukunft eine möglichst breite Verteilung der Gesamtnoten sichergestellt werden kann. Dies ist eine Grundbedingung für die Exterieur – Zuchtwertschätzung. Solange in der Morphologie ein Zuchtfortschritt vorhanden ist braucht es also jedes Jahr eine etwas bessere Kuh um die gleiche Einstufung zu erreichen.

Die Bedürfnisse und Erwartungen der Züchter an eine Rasse sind natürlich sehr unterschiedlich. Die Allermeisten können sich mit dem Wunsch nach Genetik, mit welcher sie möglichst wirtschaftlich Milch produzieren können, identifizieren. Doch wie sieht die optimale Kuh dazu aus? Zu dieser Frage gehen dann die Meinungen auch innerhalb einer Rasse zum Teil stark auseinander. Das Schema für eine Rasse ist wie ein gemeinsamer Nenner all dieser verschiedenen Philosophien. Denn schlussendlich wird eine Holsteinkuh mit demselben Schema beschrieben ob sie nun in einem Hochleistungsbetrieb mit TMR und hohem Maisanteil, auf einem Weidebetrieb oder in Käsereibetrieben mit Alpung und silofreier Fütterung steht. Dass das LBE Schema für all diese Betriebe nicht gleichermassen stimmt liegt auf der Hand. Je extremer das Zuchtziel eines einzelnen Betriebsleiters ist, desto weiter ist er vom Schema entfernt und muss sich in der Konsequenz damit abfinden können, dass sich dies auch in der Einstufung niederschlägt. Dies muss nicht heissen, dass seine Kühe grundsätzlich schlechter sind oder er einen anderen Typ Kuh züchten sollte. Es heisst lediglich, dass seine Kuh im Vergleich zu diesem gemeinsamen Zuchtziel Differenzen hat.

Um beim Schema der Rasse (Red)Holstein zu bleiben, sind die Änderungen in diesem Jahr gering. Die einzige Anpassung, welche von der Schemakommission entschieden wurde, betrifft übergrosse Kühe. Zur Erinnerung: Die ideale Note für Kreuzbeinhöhe ist 6 und entspricht 155cm bei einer ausgewachsenen Kuh. Kühe ab 165cm Kreuzbeinhöhe sind von diesem Ideal sehr weit entfernt und können deshalb in Zukunft im Block Format/Kapazität nicht mehr die Klasse Exzellent (EX) erreichen. Diese Entscheidung betrifft nur ganz wenige Kühe und erlaubt es einen Unterschied zwischen sehr grossen und übergrossen Kühen zu machen. Dabei folgt diese Stossrichtung einer Tendenz, die weltweit in den Zuchtzielen festzustellen ist: weg von der extremen Kuh in der Grösse, hin zur ausgeglichenen Kuh.

Bei der Rasse Swiss Fleckvieh ist anstelle der Note 6 neu die Note 7 ideal für die Bemuskelung. Die Absicht dahinter ist die bessere Honorierung der gut bemuskelten Kühe gegenüber den Kühen mit durchschnittlicher Muskulatur. Damit soll neben der Milchleistung auch der zweite Nutzungsbereich dieser Zweinutzungskuh gefördert werden. Eine weitere Anpassung betrifft die optimale Note für Zitzenlänge. Um eine bessere Verteilung der Noten auf der Skala von 1 bis 9 zu erreichen entsprechen die idealen 5cm Zitzenlänge neu der Note 6. Ein Effekt dieser Änderung ist die bessere Unterscheidung zwischen kurzen, sehr kurzen und extrem kurzen Zitzen.

Beim Schema der Simmentalerrasse wurde die gleiche Anpassung für die Zitzenlänge wie bei Swiss Fleckvieh bereits vor einem Jahr gemacht. Des Weiteren gibt es neu keinen Abzug mehr bei der Note 8 für Bemuskelung. Somit entsprechen die Noten 7 und 8 bei diesem Merkmal dem Ideal.

Keine Änderung erfährt das Schema der Rasse Montbéliarde.

Die Basis für eine sichere Zuchtwertschätzung im Exterieur sind – auch trotz der genomischen Zuchtwertschätzung – verlässliche Daten aus der linearen Beschreibung und Einstufung. Diese erreichen wir indem möglichst viele Züchter möglichst alle Erstlaktierenden der LBE unterziehen und die Beschreibung der Merkmale durch die Einstufer möglichst differenziert erfolgt. Diese breite Streuung in der Erfassung der Merkmale wird jedes Jahr den Entwicklungen der Rassen angepasst und in Kursen geübt. Somit kann die hohe Verlässlichkeit der Schweizer Exterieur-Zuchtwerte in Zukunft gehalten oder sogar noch verbessert werden.

Foto Messen Mario